NACHGEFRAGT zum Thema "Digital Divide" bei Sebastian Zebbities, Forschung & Entwicklung apenio®

verfasst von: Dr. phil. Florian Reinartz (Forschung & Entwicklung apenio®)

Kommt ein Mann zum Arzt. Fragt der Arzt: „Haben Sie Internet?“


Was ist Digital Divide?

SZ: Digital Divide oder auch „Digitaler Graben“/ “Digitale Kluft“ ist ein Begriff, der in den 1990er Jahren aufkam. Er beschreibt ursprünglich die geographischen Unterschiede beim Zugang zu moderner, digitaler Kommunikationstechnologie. Inzwischen hat sich der Begriff aber ausgeweitet, z. B. auf die generationsbedingten Unterschiede zwischen den sogenannten „digital natives“ - also Menschen, die in der digitalen Welt aufwachsen - und älteren Menschen, die digitale Kommunikation nicht oder nicht in dem Maße kennen und nutzen.

An welchen Stellen wird diese „digitale Kluft“ deutlich?

SZ: „Digital Divide“ zeigt sich zum Beispiel bei der Erreichbarkeit per E-Mail. Die E-Mail ist eine vergleichsweise alte und sehr etablierte Technologie. Inzwischen gilt es als normal, dass auch rechtsverbindliche Schriftstücke über E-Mail verschickt werden bzw. dass E-Mails selbst rechtsverbindlich sind. Außerdem verbindet sich mit der Nutzung von E-Mails auch eine Erwartungshaltung: Zunächst einmal, dass jeder Mensch überhaupt eine E-Mail-Adresse hat und dann natürlich auch, dass auf eine E-Mail innerhalb eines bestimmten Zeitraums auch reagiert wird. Tatsächlich gibt es aber noch immer Institutionen mit tradierten Arbeitsweisen, die nicht einmal eine E-Mail-Adresse besitzen.

Welche Gefahren ergeben sich aus der „digitalen Kluft“?

SZ: Zunächst mal ist es ungewohnt unpraktisch, wenn zur Kommunikation nicht die gleichen Kanäle nutzbar sind. „Digital Divide“ betrifft aber nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Sicherung und Archivierung von Daten. Medienbrüche bringen aber auch die Gefahr mit sich, dass Informationen verloren gehen, denn digitale Datenhaltung und Dokumentation haben auch für eine langfristige Archivierung weitreichende Folgen. Es ist heute unstrittig, dass digitale Datenhaltung sicherer und einfacher ist als analoge; dennoch wird beispielsweise beim Arzt oder im Krankenhaus oft noch auf Papier dokumentiert.

Wo begegnet uns an anderen Stellen in der Gesundheits-IT ein „Digital Divide“?

SZ: Die Gesundheits-IT in Deutschland hinkt meiner Einschätzung nach ungefähr zehn Jahre hinter dem Stand der verfügbaren technischen Möglichkeiten hinterher. Das fängt schon bei der Ausstattung der Krankenhäuser mit WLAN an. Auf der einen Seite gibt es Krankenhausgeräte, die genuin nur digital arbeiten, ein CT zum Beispiel. Auf der anderen Seite scheut man sich aus Kostengründen oder sonstigen Gründen, ein WLAN anzubieten, das Geräte vernetzt oder den Patienten einen WLAN-Zugang bereitstellt. Eine echte Erklärung dafür gibt es nicht, Netzwerktechnik und Speicher sind längst nicht mehr so teuer wie noch vor einigen Jahren. Der digitale Graben scheint sich also stetig zu vergrößern, die Vernetzung von Patientendaten und die semantische Interoperabilität der Systeme wirken hier fast utopisch.

Das klingt recht defätistisch; welche Möglichkeiten gibt es denn, den digitalen Graben zu überwinden, insbesondere im Gesundheitsbereich?

SZ Es ist ein Problem, ja, aber eines, das sich auf kurz oder lang von selber erledigen wird. Es ist mehr eine Frage von Zeit als von Geld, wobei natürlich nie alle Krankenhäuser in Deutschland oder darüber hinaus den gleichen technischen Stand haben werden. In Zukunft müssen jedoch beispielsweise WLAN-Ausstattung und digitale Dokumentation absoluter Standard in Krankenhäusern sein. Sobald diese Hürden genommen sind, dieser digitale Graben überwunden ist, entfalten sich noch einmal besondere Möglichkeiten in der Gesundheits-IT. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass der digitale Graben im Gesundheitsbereich irgendwann verkleinert oder geschlossen werden kann.

 

Sebastian Zebbities (Forschung & Entwicklung apenio)

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