Die künstliche Intelligenz und ihre Feinde (Teil I)

verfasst von: Sebastian Zebbities (Forschung & Entwicklung apenio®)

Die Informatik, allen voran die theoretische Informatik, ist meist kein Thema, mit dem ich auf einer Party im Smalltalk punkten kann. Eine Ausnahme bildet der Teilbereich der künstlichen Intelligenz (KI). Jeder verbindet ein mehr oder weniger konkretes Bild mit diesem Begriff. Die Science Fiction gestaltet mit "2001: Odyssee im Weltraum" (1968)  oder "I, Robot" (2004) meist düstere Visionen und prägt gemeinhin die Idee, die wohl die meisten Menschen mit KI verknüpfen: Den Versuch menschenähnliche Intelligenz nachzubilden.

Diese Vision entspricht dem Begriff der so genannten "starken" KI. Der Ansatz zielt auf die Unabhängigkeit von Intelligenz zu ihrer Trägersubstanz (in der Natur meist das Gehirn) ab und bietet die geistige Grundlage postbiologischer Utopien. Die „Dartmouth Conference“ im Jahre 1956 wird als ihre Geburtsstunde angesehen.

 

Desire und Intention

Eine Verwirklichung dieser Utopie liegt in weiter Ferne. Sie hat jedoch noch viel mit den Befürchtungen zu tun, die mit der Realität der KI von heute verknüpft werden.

Die Vorstellung, ein System könnte gleichsam rational und absolut amoralisch handeln, ist eine oft konstruierte Dystopie. Autonome, intelligente Systeme werden in der KI Agenten, ihre Ziele desires genannt. So ist ein Agent denkbar, der das desire hat, die Grenzen eines Landes zu schützen um eine Invasion zu verhindern. Beschließt der Agent rational zu handeln, spricht man von intentions, den Absichten des Agenten. Im schlechtesten Fall, so die Befürchtung, könnte er die Absicht entwickeln, die Menschheit zu vernichten, da sein desire auf diese Weise am sichersten erfüllt ist.

Im Film "I, Robot" folgen die Roboter drei Gesetzen, die alle darauf zielen, den Menschen zu bewahren. Sie entfalten jedoch die amoralische Absicht, alle Menschen festzusetzen, um sie gegenseitig vor sich selbst zu schützen.

Noch ein Stück weiter geht die Vision einer KI, die durch eigenes Bewusstsein einen Selbsterhaltungstrieb und eigene desires entwickelt, die sich gegen ihren Schöpfer richten, so zum Bespiel im Film „Terminator“ von 1984, in dem letztendlich die Maschinen die Welt erobern und kaltblütig beherrschen.

 

Menschliche desiresKünstliche Intelligenz Quadcopter Drone

Weitaus konkreter ist die Gefahr, dass der Mensch selbst die Ziele einer KI unmenschlich definiert.

Meine erste Berührung mit künstlicher Intelligenz war das studentisches Projekt „Autonomous Quadcopter“ an der Universität Bremen, in dem ich mit 20 Kommilitonen zwei Jahre an der Entwicklung eines autonomen Flugroboters geforscht habe, der selbstständig  in einem Katastrophengebiet Überlebende aufspüren und Hilfe organisieren sollte. Es handelte sich also um einen "Search-and-Rescue-Agenten".

Die technologische Herausforderung liegt meist im "Search", denn kann sich ein Roboter erst orientieren, selbstständig navigieren und sich im Raum bewegen, ist es nur einer kleiner Schritt zum "Search-and-Destroy". Die Frage nach den menschlichen desires und was ein Agent mit diesen anstellen würde, ist in jedem Fall eine moralische, die gestellt werden muss. Unbemannte militärische Systeme sind leider keine Utopie mehr, sondern Bestandteil heutiger Militärtechnik.

 

Realität der KI-Forschung

Wollen wir vom Smalltalk zu einer tieferen und kritischen Diskussion über KI übergehen, müssen wir leider die meisten spannenden Aspekte der „starken“ KI und ihrer Visionen über Bord werfen und das Forschungsgebiet in wenigstens vier Teilaspekte gliedern: menschliches Handeln, rationales Handeln, menschliches Denken und rationales Denken.

Die zwei ersten Aspekte sollen Thema des 2. Teils meiner Artikelreihe über „Die künstliche Intelligenz und ihre Feinde“ sein. Wir lesen uns also bald wieder!

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